Wiedereinstieg in die ketogene Ernährung

Mein Wiedereinstieg in die ketogene Ernährung

 

Bulletproof Coffee

Von wegen Latte, Bulletproof Coffee – schnelles Frühstück für Ketarier

Vor einiger Zeit habe ich ein Experiment mit ketogener Ernährung gemacht und war begeistert von den Auswirkungen :

Mein erster Versuch mit ketogener Ernährung und ein paar Grafiken zum Vergleich

Trotz aller Begeisterung habe ich die reine ketogene Ernährung aber nicht beibehalten sondern mich für eine „abgespeckte“ Version entschieden und eine Art „very low carb“ Teilzeitprogramm für mich entwickelt. Während einer normalen Arbeitswoche habe ich versucht so wenig Kohlenhydrate wie möglich zu essen und am Wochenende habe ich mich dann weitgehend so ernährt wie der Rest der Familie.

Warum habe ich die ketogene Ernährung damals nicht fortgesetzt ?

Ganz einfach. Man muss sich zunächst deutlich aus der gewohnten Komfortzone herausbewegen. Ketogene Ernährung macht sich nicht von alleine und hat, zumindest am Anfang, nichts mit Convenience zu tun. Oder anders ausgedrückt, unsere Umgebung, unsere Mitmenschen, unsere Ärzte, unsere Lebensmittelanbieter, eigentlich niemand macht es dir leicht, wenn du dich ketogen ernähren möchtest. Ganz im Gegenteil. Man muss sich auf Gegenwind einstellen. Die Freunde, Familienmitglieder und Arbeitskollegen halten einen für verrückt. Ärzte wollen es einem ausreden weil der Mensch „unbedingt Kohlenhydrate braucht“ und weil man als Typ 1 Diabetiker sowieso immer das Risiko hat in die gefährliche Ketoazidose zu kommen. Und überhaupt und sowieso.

Das Essen muss man in aller Regel selbst zubereiten und kann nicht auf irgendwelche Convenience Produkte zurückgreifen, was deutlich mehr Arbeit macht und unterwegs schon mal schwierig werden kann. Andererseits finde ich es gar nicht schlimm wenn man sein Essen selbst zubereitet denn ich traue unserer Lebensmittelindustrie sowieso nicht mehr über den Weg und wir haben es uns in der Familie mittlerweile angewöhnt unser Essen so weit wie möglich selbst frisch zuzubereiten.

Alles in allem wird einem das Leben nicht einfach gemacht wenn man diesen Weg gehen möchte.
So hatte ich eben einen für mich guten Kompromiss gewählt.

Warum bin ich nun wieder in die ketogene Ernährung eingestiegen ?

Bevor die Diagnose meines Typ 1 Diabetes damals festgestanden hat, habe ich in wenigen Wochen gute 32kg Körpergewicht verloren. Damals hatte ich mir fest vorgenommen nicht wieder ins Moppelstadium zurückzukehren.
Trotz aller Bemühungen in Sachen Ernährung und Sport habe ich in den 4 Jahren seit der Diagnose aber wieder 20kg zugelegt.
Natürlich habe ich versucht das Ganze zu bremsen oder auch wieder rückgängig zu machen. Aber was auch immer ich versucht habe, es hat nicht wirklich funktioniert.
Die Schmerzgrenze war für mich nun endgültig erreicht.

Zu allem Überfluss habe ich auch noch Probleme mit meinen Achillessehnen bekommen und musste meinen Sport reduzieren, was das Problem natürlich noch verstärkt hat. Das Laufen habe ich bis auf Weiteres sogar ganz eingestellt.
Als meine Diabetologin dann beim Quartalstermin meine Blutfettwerte angesprochen hat und mir als „Risikopatient“ empfohlen hat über den Einsatz eines cholesterinsenkenden Medikamentes nachzudenken, habe ich einen Entschluss gefasst:

Bevor ich nicht selbst alle Möglichkeiten ausgeschöpft habe, werde ich keine Statine nehmen. Wahrscheinlich auch danach nicht, weil ich von dem Zeug nicht viel halte und das Wissen, das ich mir im Rahmen meiner Auseinandersetzung mit dem Thema ketogene Ernährung angeeignet habe, mich auch nicht gerade motiviert ein solches Medikament einzunehmen. Da muss es andere Wege geben.

Deshalb habe ich folgende Ziele für mich definiert :
– mein Gewicht langfristig in den Bereich des Normalgewichtes bringen, das für meine Körpergröße bei maximal 81kg liegt.
– die Blutfettwerte verbessern, so dass meine Diabetologin nicht im Traum daran denkt das Thema Statine nochmal anzuschneiden
– die postprandialen Blutzuckerspitzen in den Griff bekommen und einen möglichst niedrigen und ausgeglichenen Blutzuckerverlauf erreichen
– den Stress reduzieren, der mir der fortwährende Kampf um gute Blutzutzuckerverläufe bereitet

Dazu möchte ich erwähnen, dass eine ketogene Ernährung weitaus mehr bietet als lediglich bei der Reduktion von Körpergewicht behilflich zu sein. Andererseits kenne ich keine andere Methode die zumindest bei mir genau das so einfach und vor allem hungerfrei erreicht.

Ist das mit der ketogenen Ernährung jetzt leichter als beim ersten Versuch ?

Ja, mit der Erfahrung und der Einstellung die ich mittlerweile habe, definitiv. Man wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben. So ist es auch mit der ketogenen Ernährung. Vieles was ich im ersten Versuch lernen musste, gehört nun sozusagen zum Handwerkszeug und ich kann mich auf andere Dinge konzentrieren.
Alleine die Tatsache, dass ich bereits an den Arbeitstagen „very low carb“ gelebt habe, hat dazu geführt, dass ich die zu Beginn der Ernährungsumstellung gefürchtete Keto-Grippe nicht hatte. Offensichtlich war ich von Beginn an einigermaßen keto-adaptiert. Mein Körper wusste mit dem „neuen“ etwas Treibstoff anzufangen.

Außerdem habe ich einen selbstbewussteren Umgang mit der Thematik erlernt. Dadurch, dass ich mich sehr intensiv mit dem Thema auseinandersetze, kann ich selbst viel besser damit umgehen und die Vorteile ausnutzen und auch „Manipulationsversuchen“ von Mitmenschen ganz anders begegnen.
Das alles führt dazu, dass es viel leichter fällt konsequent zu sein. Konsequenz ist bei ketogener Ernährung unabdingbar, ansonsten kommt man nicht in einen stabilen ketogenen Stoffwechselzustand oder fällt zu schnell wieder raus.

Lohnt es sich auf “Alles“ zu verzichten ?

Gelegentlich werde ich gefragt, ob es nicht schwer ist auf „Alles“ zu verzichten. Es ist schon seltsam, dass für einige Menschen Kohlenhydrate offenbar „Alles“ bedeuten.
Ganz ehrlich? Nein, es ist weitaus weniger schwer als man denkt.
Das klingt unglaublich aber das ist es wirklich nicht. Je länger und konsequenter man das macht, umso leichter ist es. Man könnte fast glauben man befindet sich in einer Art Zuckerabhängigkeit wenn man sich „konventionell“ ernährt. Das verliert sich vollständig unter ketogener Ernährung.
Außerdem verzichte ich aus meiner Sicht nicht auf „Alles“, allenfalls auf Dinge die mir erfahrungsgemäß nicht gut tun. Was soll ich da vermissen?
Ich verzichte z.B. auf postprandiale Blutzuckerspitzen, auf stark schwankende Blutzuckerwerte, auf Korrekturinsulin und auf Nahrungsmittel die durch Insulin in meinen Speckgürtel transportiert werden um danach wieder Heißhunger zu verursachen.
Mit ketogener Ernährung erschließt man sich die Fähigkeit seine eigenen Fettreserven als Energie zu nutzen und selbst wenn mal eine Mahlzeit ausfällt quält einen der Magen nicht mit nagenden Hungergefühlen weil er sich mit vorhandenen Körperfett versorgen kann.
Mahlzeitenalternativen gibt es wirklich zur Genüge und schmecken tun diese auch. Nur passen sie in aller Regel nicht in das allgemeine Verständnis einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Zumindest nicht, solange man nicht Brot, Nudeln, Reis oder Kartoffeln dazu serviert.

Hat die Ketose schon positive Auswirkungen ?

 

Kuchendiagramm der SiDiary App mit Blutzuckerwerten von 8 Wochen.

Kuchendiagramm der SiDiary App mit Blutzuckerwerten von 8 Wochen.

Seit Mitte Januar, also über 2,5 Monate ernähre ich mich jetzt ketogen. Das ist noch nicht besonders lange, reicht aber für ein paar entscheidende Erkenntnisse.
Einzige Ausnahme war ein Abendessen auf einer Geschäftsreise nach Italien, bei dem ich irrtümlicherweise dachte etwas kohlenhydratfreies zu bestellen um am Ende ein Pastagericht zu bekommen. Ja, mein italienisch kann ich noch verbessern.
Kleine Ausnahmen sind auch die zugegeben selten gewordenen Momente, in denen ich meinen Blutzucker mit wohldosierten Kleinportionen Haribo oder im Notfall auch Traubenzucker stützen muss weil ich mich noch nicht daran gewöhnt habe so wenig Insulin zu brauchen.

positive Auswirkungen bisher :
– es gibt keine postprandialen Blutzuckerspitzen mehr
– es gibt weniger Unterzuckerungen
– mein Blutzuckerverlauf ist wesentlich stabiler auf niedrigerem Niveau
– die Insulinierung ist aufgrund geringerer Mengen weniger fehlerbehaftet
– ich verspüre weniger Müdigkeit, bin wesentlich wacher im Kopf
– ich habe ein verbessertes Wohlbefinden
– ich nehme Sättigung viel besser wahr und habe weniger Hunger, dadurch esse ich weniger
– mein Gewicht ist deutlich gesunken
– mein Insulinbedarf ist um runde 50% gesunken

Ein niedriger Insulinspiegel ist die Grundvoraussetzung überhaupt erst seine Fettreserven verstoffwechseln zu können. Außerdem reduziert ein niedriger Insulinspiegel den oxidativen Stress im Körper.

Ist die ketogene Ernährung jedem zu empfehlen ?

Die ketogene Ernährung ist schon eine sehr spezielle Geschichte obwohl sie der menschlichen Natur eigentlich näher ist, als die meisten Menschen glauben oder auch glauben möchten. Wenn man diesen Weg gehen möchte, muss man bereit sein in seiner Ernährungsweise einiges zu ändern und alte Prinzipien über Bord zu werfen, seine Ernährung viel mehr als zuvor zu planen, seine Mahlzeiten weitgehend selbst zuzubereiten und sich auf den Widerstand seiner Umwelt einzustellen.

Im Allgemeinen würde ich eine ketogene Ernährung nicht jedem empfehlen.
Ich bin aber absolut der Meinung, dass wir in unserer heute üblichen Ernährung viel zu viele Kohlenhydrate zu uns nehmen im Verhältnis zu den Aktivitäten, die wir im Durchschnitt an den Tag legen.
Das ist für mich genau der Punkt. Menschen die den superschnellenTreibstoff Kohlenhydrat durch ihre Aktivität verstoffwechseln haben wahrscheinlich keine Probleme und keine Notwendigkeit dafür Kohlenhydrate in der Nahrung zu reduzieren oder gar sich ketogen zu ernähren.

Viele Menschen sind aber nicht so aktiv wie das durch ihre an schneller Energie reiche Ernährung zum Ausdruck kommt. Da halte ich es durchaus für sinnvoll die schnelle Energie Kohlenhydrate zugunsten von langsamerer und nachhaltiger Energie aus Fett zu reduzieren. In meinen Augen ist z.B. die LOGI Methode ein sehr guter Ansatz.
Ich denke nicht, dass ketogene Ernährung die Lösung für jeden ist. Aber ich denke, dass es eine Möglichkeit ist, der man eine Chance geben sollte, wenn man zu den Personen gehört, denen das zu viel an Kohlenhydraten nicht gut tut und wenn man bereit ist sich auf das Abenteuer ketogene Ernährung einzulassen.

Ist die ketogene Ernährung Typ 1 Diabetikern zu empfehlen ?

Immer wieder lese ich, dass Typ 1 Diabetikern abgeraten wird sich ketogen zu ernähren bzw. eine Ernährungsform zu wählen, bei der die Kohlenhydrate drastisch reduziert werden. Der Grund für diesen Rat liegt in der Angst vor einer diabetischen Ketoazidose.
Im ketogenen Stoffwechsel liefern die sogenannten Ketone, die durch den Abbau von Fettsäuren aus der Nahrung und dem Körperfett gebildet werden die Energie, die der Organismus benötigt. Man spricht auch von einer ernährungsbedingten Ketose deren Optimalwerte an Ketonen etwa zwischen 1,0 und 3,0 mmol/l liegen.
Die Gefahr, die man beim ketogen ernährten Typ 1 Diabetiker sieht, liegt in der lebensgefährlichen Ketoazidose begründet, die auch aus dem Abbau von Fettsäuren resultiert und sich durch einen sehr hohen Gehalt an Ketonen im Blut auszeichnet. So hohe Werte, dass man von einer Ketoazidose spricht – 15mmol/l – kommen aber nur zustande, wenn man unter absolutem Insulinmangel leidet.
Genau das ist zwar bei Typ 1 Diabetikern der Fall, aber im Rahmen einer wohlformulierten Therapie wird der Insulinbedarf durch die externe Zufuhr von Insulin gedeckt. Natürlich kann diese Insulinzufuhr aus diversen Gründen, insbesondere beim Insulinpumpenträger, unterbrochen sein und genau darin besteht die Gefahr, dass es dadurch zu einer Stoffwechselentgleisung mit anschließender Ketoazidose kommt.

Ich bin aber der Meinung, dass ein unbemerkter absoluter Insulinmangel so oder so zu Problemen mit einer Ketoazidose führt, ob mit oder ohne ketogener Ernährung. Deshalb muss ein Typ 1 Diabetiker und ganz besonders Insulinpumpenträger für diese Problematik sensibilisert werden, was in einer guten Schulung auch geschieht.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die positiven Auswirkungen auf den Blutzuckerverlauf und die viel größere Stabilität desselben das minimal erhöhte Risiko einer Ketoazidose bei ketogener Ernährung weit überwiegen. Ich selbst habe in Ketose gar keine hohen Blutzuckerwerte mehr gehabt.

Ich sehe es so, dass insbesondere Ärzte im Zusammenhang mit Typ 1 Diabetes gerne von einer ketogenen Ernährung abraten, weil sie kaum über Erfahrung damit verfügen und sich von den „schlimmen“ Geschichten leiten lässt, die von Menschen verbreitet werden, die gegen alles sind, was nicht in ihr Weltbild passt oder deren gut erschlossene Einnahmequellen gefährdet.

Meiner Erfahrung nach ist die ketogene Ernährung bei verantwortungsvoller Therapieführung sehr wohl und sehr gut für Typ 1 Diabetiker geeignet, wenn man bereit ist einen etwas anderen Weg zu gehen und Widerstände zu überwinden.
Und wenn man diesen Weg geht, wird man feststellen, dass alles was man bisher an Strategien im Rahmen einer Diabetestherapie kennengelernt hat  sich im Vergleich zur ketogenen Ernährung fast wie wirkungsloser Firlefanz ausnimmt.

Ich fühle mich mit dieser Art der Ernährung momentan pudelwohl. Es geht mir damit rundum gut.

Habt ihr auch Erfahrungen mit besonderen Ernährungsformen gemacht?

By the way, da hab ich noch etwas gefunden, das die Sache ganz gut darstellt : Mentale Klarheit & emotionale Stabilität durch Ernährung 

 

 

10 Kommentare

  1. Bin durch Zufall hier auf diesen Artikel gestoßen und du bestärkst mich gar total! Ich bin selbst Typ1 Diabetikerin.
    Mir gehts ähnlich wie es dir gings, ich hab seit ich Diabetes habe einiges zugenommen und mir fällt es auch extrem schwer abzunehmen. Ich spritze zwar im generellen nicht so viel, weil ich es nicht brauch aber das abnehmen funktioniert immer noch nicht ganz.
    Ich habe eine zeitlang Paleo probiert und habe auch erfolge erzielt, aber nach der Zeit ist es mir ziemlich schwer gefallen.
    Ich überlege jetzt schon länger Keto zu probieren und war irgendwie immer abgeschreckt. Jetzt nach deinem Beitrag will ich es echt mal probieren. Zumindest mal anfangen wieder Low Carb zu essen und dann ganz umzusteigen.
    Hattest du in der anfangszeit Probleme mit sehr niedrigen Werten?
    Danke für diesen Beitrag

    • Hallo Kathi,
      danke für deinem Kommentar. Freut mich wenn dich die Low Carb bzw. Keto Ernährung interessiert. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen und speziell Keto Ernährung ist schon eine Erfahrung für sich. Man muss es mal selbst erlebt haben. Dazu ist natürlich eine Menge Disziplin erforderlich. Aber wenn man erstmal den Stoffwechsel umgestellt hat geht’s eigentlich viel leichter als man zuvor angenommen hat. Das heißt aber nicht, dass es ein Selbstläufer ist. Man wird permanent von außen mit Dingen konfrontiert, die eine aus der Ketose werfen würden. Man muss auch damit rechnen, dass man bei Mitmenschen auf Unverständnis oder zumindest Unkenntnis stößt.
      Die Frage ist nur, muss es tatsächlich Ketose sein oder tut es Low Carb auch? Die Ketose kann sehr hilfreich sein bei verschiedenen Krankheitsbildern und auch zum Abnehmen. Aber wie gesagt, dauerhaft in Ketose zu sein ist schon ein Unterfangen, dass man schaffen muss. Aber versuche es ruhig und lass‘ dir von Ärzten nicht bange machen wegen des Ketonspiegels. Die haben keinerlei Erfahrungen damit und sind deshalb übervorsichtig.
      Was niedrige Werte in der Anfangszeit betrifft, passt du die Boli natürlich an die Nahrung an. Weniger KH, weniger Insulin. Ich muss auch für Fett und Eiweiß spritzen. Sollte man nicht unterschätzen. Im Laufe der Zeit wird sich durch weniger Insulin wahrscheinlich deine Insulinsensitivitäte erhöhen, so dass du die Basaldosierung reduzieren musst. Das war’s eigentlich schon. Also immer schön kontrollieren, bis du weißt wie der Hase läuft.
      Bei Fragen einfach melden.

      LG Stefan

  2. Ich stoße auch mal dazu, bin auch Typ 1 Diabetikerin und bin jetzt vor einer Woche von Low carb zur Ketogener Ernährung gewechselt. Du schreibst du berechnest auch Fett, wie machst du das genau? Da man jetzt nicht mehr für die KH spritzen muss, habe ich oft einfach pauschal 1IE gespritzt, ging aber bis jetzt immer in die Hose – entweder nach unten oder oben. Man kann aber keinen Fragen von den Ärzten, weil es keiner weiß..

    • Hallo Lisa,
      danke für Deinen Kommentar. Jetzt hast du mich erwischt. Berechnen ist zu viel gesagt. Ich mache das eher so aus dem Bauch heraus und da ich mittlerweile etwas Erfahrung darin habe, klappt das recht gut. Zum Glück wird das Fett langsam verstoffwechselt, so dass man recht gut reagieren kann. Ich muss aber dazu sagen, dass ich ein CGMS benutze und somit sehr schön sehen kann, wenn der BZ beginnt zu steigen. Wenn es aber mal durch Fett nach oben geht, dann oft mit Nachdruck – nicht schnell aber mit Ausdauer. D.h. man muss dann schon ordentlich gegensteuern. Die 11g Fett die in der Literatur für eine FPE oft angegeben werden erscheinen mir aber zu hoch.
      Ich glaube auch nicht, das Ärzte mit der Insulinierung von FPE viel Erfahrung haben. Schon gar nicht im Zusammenhang mit einer ketogenen Stoffwechselsituation. Die meisten werden dir abraten, weil sie einfach Angst davor haben dass du bereits eine ernährungsbedingte Anzahl an Ketonen im Blut hast und damit näher an einer Ketoazidose bist – zumindest theoretisch. Dabei vergessen sie ganz einfach, dass dabei viel geringere Insulinmengen gespritzt werden und damit die Fehlerrate geringer ist. Dadurch sowie durch die langsamere Verstoffwechslung ist der BZ viel stabiler und deshalb auch leichter auf einem niedrigeren Niveau zu halten. Ich persönliches schätze das Risiko in eine Ketoazidose abzugleiten eher niedriger ein als bei konventioneller Ernährung als Diabetiker.
      Du wirst nicht auf die Ärzte zählen können. Im Gegenteil, wenn Du dich vorsichtig rantastest werden sie von Dir lernen können.
      Ups, jetzt ist es etwas länger geworden.

      Bon weekend
      Stefan

  3. Christine Andel

    Hallo! Ich bin durch googeln auf den Blog gestoßen, weil ich ein Problem habe und Erfahrungsaustausch suche. Ich bin seit über 10 Jahren Typ 1-Diabetikerin und verwende seit ca. 2 Jahren eine Patch-Pumpe (Omnipod). Mit meinen Werten war ich in letzter Zeit nur mittelzufrieden – starke Schwankungen zwischen über 300 und unter 50, hoher pistorandialer Anstieg trotz kräftiger Insulinmenge, die die gegessenen BEs eigentlich abdecken müsste etc, Daher habe ich es mit Low Carb versucht. Anfangs war das sensationell erfolgreich: Meist stabile Werte zwischen 80 und 150 (kann ich deshalb so genau sagen, weil ich CGM habe), keine Hypos, Gewichtsabnahme von ca. 4 kg in 3 Wochen. Nach 3 Wochen habe ich aber massive Probleme an der Einstichstelle der Pumpe bekommen: Rötung, Schwellung, eine Beule, die wochenlang nicht weggeht, das ganze mit starken Schmerzen verbunden. Daraufhin habe ich wieder begonnen Kohlehydrate zu essen und siehe da, die Beschwerden haben sich rasch verbessert. Es ist noch nicht so problemlos wie früher, aber erträglich. Nun meine Frage: Kann es sein, dass der Körper in Ketose das Insulin „abstoßen“ will? Das war mein Schluss aus der Sache. Kennst du das? Oder irgendwelche Erfahrungen damit? Wäre für eine Antwort sehr dankbar, weil ich eigentlich die ketogene Ernährung fortsetzen möchte.

    • Hallo Christine,
      schön dass Du mein Blog gefunden hast und Du eine Low Carb Ernährung ausprobiert hast. Dass der Körper unter Ketose das Insulin abstoßen möchte halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ein ketogener Stoffwechselzustand ist ja nichts unnatürliches, allenfalls etwas ungewohntes. Ich persönlich habe solche Probleme noch nicht gehabt und auch noch nicht von so etwas gehört. Das muss aber nicht heißen, dass es das nicht gibt. Ich persönlich ernähre mich überwiegend KH-arm, zeitweise auch für längere Zeit ketogen. Damit wird mein BZ Management zum Kinderspiel. Schöner Nebeneffekt ist die Gewichtskontrolle. Wenn ich alles esse würde, was ich mit Insulin abdecken könnte, würde ich aufgehen wie ein Hefekuchen.
      Deshalb solltest Du dem Ganzen nochmal eine Chance geben. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, was dazu führt, dass Du mit der Injektionsstelle solche Probleme hast. Möglicherweise liegen dafür andere Gründe vor die Du bist jetzt noch nicht erkannt hast. Ich wünsche Dir Erfolg bei der Suche nach dem Problem und stehe für einen Erfahrungsaustausch auch gerne zur Verfügung. In diesem Zusammenhang vielleicht auch mal im Forum von LCHF.de nachschauen. Dort gibt es ein Unterforum für Diabetes.
      VG Stefan

  4. Christine Andel

    Vielen Dank für die die rasche und ausführliche Antwort!! (Und das, obwohl- wie ich erst später entdeckt habe- du den Blog eigentlich nicht mehr aktiv betreibst).
    Ich glaube mittlerweile auch nicht mehr, dass es an der Ernährung liegt, weil ich die Probleme mit und ohne Kohlenhydrate habe. Ich werde weiter nach der Ursache suchen.
    LG Christine

    • Hi Christine,
      das ist kein Problem. Ich stelle aktuell keine neuen Inhalte ein aber solange mein Blog online ist, solange reagiere ich auch auf Feedback und Kommentare von Lesern.
      Bezüglich Deines Problems könnte ich mir vorstellen, dass Du eventuell auf das im Omnipod verwendete Material reagierst. Normalerweise neigt man ja eher dazu Stahlkanülen nicht zu vertragen aber unter Umständen macht es Sinn einmal die Kunststoffkanüle des Pods unter die Lupe zu nehmen. Eventuell auch das Insulin.
      Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Lösung des Problems. Und gib Low Carb eine Chance. Man muss ja nicht vollständig darauf verzichten, aber jede Mahlzeit bei der das BZ Management erleichtert wird, ist ein Gewinn.
      Viele Grüße
      Stefan

  5. Christine Andel

    Lieber Stefan,
    danke nochmals für deine ermutigende Antwort! Ich war heute beim Kontrolltermin, habe alles ganz genau mit meinem Arzt besprochen und ihm natürlich auch meine hübschen Setzstellen gezeigt. Er geht von einer Verschlechterung der Insulinresorption aus, verbunden mit einer Reaktion des Körpers an der Einstichstelle. Wir versuchen es jetzt einmal mit einem anderen Insulin (was du ja auch gemeint hast). Bisher habe ich immer Novorapid benutzt, jetzt teste ich mal Actrapid. Die gute Nachricht: Er denkt, dass die Ernährungsweise gar nichts damit zu tun hat und hat sehr positiv und interessiert auf meinen Bericht über das Low Carb Experiment reagiert. Ich freue mich sehr und werde ab sofort wieder dazu übergehen. Darf ich dir noch eine technische Frage stellen, weil du da ja auch so bewandert bist? Gibt es eine Möglichkeit, die Daten des Dexcom (ich hab das G5) mit denen der Pumpe (in meinem Fall Omnipod) zu kombinieren? Ich kann natürlich jede Einhheit manuell in der Dexcom-App eingeben, aber das ist mühsam. Ich hätte gern eine statistische Auswertung beider Geräte gemeinsam. Bin übrigens technisch nicht sehr bewandert…
    Falls du Zeit für eine Antwort hättest, würde ich mich freuen.
    Liebe Grüße
    Christine

    • Hallo Christine,
      ich drücke Dir die Daumen, dass das mit dem neuen Insulin besser läuft. Was die statistische Auswertung betrifft, kann ich Dir mal meine Lösung vorstellen, die prinzipiell mit dem Omnipod auch funktionieren müsste. Ich habe die Medtronic Veo und das Dexcom G4. Die Veo wird über das Medtronic Webportal ausgelesen (teilweise nervig) und das G4 über eine lokal installierte Software von Dexcom. Man darf bei meiner Lösung natürlich keine Angst davor haben seine BZ Daten auf einem Webserver abzulegen.
      Weder die Veo noch das Dexcom lassen mehr als ein paar Basic Comments zu. Das hat mich nicht zufriedengestellt. Deshalb habe ich mich schon früh für SiDiary entschieden. Eine Tagebuch und Dokusoftware mit vielfältigen Auswertemöglichkeiten. Gibt’s auf USB Stick, als lokale Installation oder auch Webbasiert. SiDiary kann von Haus aus sehr viele Messgeräte und Pumpen etc. auslesen bzw. deren Daten importieren. Passend dazu gibt es eine App fürs Smartphone über die man zusätzlich Daten und Notizen eingeben kann.
      Nun habe ich mir angewöhnt die Daten aus Pumpe und CGM einmal wöchentlich zu exportieren und in Sidiary zu importieren und mit den Notizen aus der App zusammenzubringen. So habe ich seit fast 5 Jahren eine lückenlose Doku meiner Therapie. Mal abgesehen davon, dass ich mit Bemerkungen und ähnlichen Einträgen sehr sparsam bin, wenn ich keine besondere Analyse dieser Dinge brauche.
      Seit kurzem nutze ich statt des Dex G4 Empfängers einen XDrip, der die CGM Daten auf mein Smartphone umleitet und dort an die XDrip+ App übergibt. Finde ich viel praktischer zumal der Datenexport damit in Sekundenschnelle funktioniert. Da Du ein G5 hast könntest Du die CGM Daten direkt mit der XDrip+ Software empfangen und bräuchtest nicht wie ich noch eine Elektronik dazwischen. Mehr dazu in meinem vorletzten Blogpost.
      Wenn ich mich richtig erinnere kann man den Omnipod auch auslesen und die Daten an SiDiary übergeben so dass die Lösung bei Dir ähnlich funktionieren könnte.
      So, jetzt war es ganz schön lang und für jemanden der technisch nicht versiert ist vielleicht auch etwas fordernd aber Du hast mich ja gefragt. Ist aber alles kein Hexenwerk. Wenn Du Fragen hast, gerne. Das sollten wir dann aber besser per Email machen statt hier in den Kommentaren.
      VG Stefan

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