Mein Weg

Immer wieder begegnet mir die Aussage “mit Diabetes kann man heute gut leben”. Das wird besonders von Menschen ohne Diabetes oft so daher gesagt ohne dass sie sich wirklich Gedanken darüber machen. Was es wirklich heißt mit Diabetes zu leben, wissen wahrscheinlich nur Menschen mit Diabetes selbst.

Einen wahren Kern hat die Aussage

In gewisser Weise kann ich der Aussage dennoch teilweise zustimmen.
Mit Diabetes kann man gut leben wenn man ihn akzeptiert hat und verstanden hat, dass es gute und schlechte Phasen gibt und man mit diesen angemessen umgeht.
Diabetes ist eine Krankheit, die mir als Patient sehr viele Möglichkeiten gibt mein eigener Arzt zu sein. Viel mehr als bei vielen anderen Krankheiten kann ich bestimmen wie die Therapie läuft. Meine Diabetologin begleitet im Wesentlichen nur noch meine Therapieführung und ist im Falle von Schwierigkeiten natürlich ein wichtiger Ansprechpartner. Das erfordert Eigenverantwortung, Eigeninitiative und die Bereitschaft zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Es lässt einem sehr viel Freiheit die Therapie eigenständig zu gestalten und zu managen. Es kostet aber auch Kraft und Energie, weil man immer schon einen „Extrakilometer“ in den Beinen hat bevor man an den Start kommt. Das wird von vielen Mitmenschen nicht gesehen weil sie es einfach nicht besser wissen.

Diabetes ist wie ein Eisberg. Was „oben herausschaut“ ist nur die Spitze des Eisberges. Der wirkliche Diabetes ist unter dem Wasserspiegel verborgen und welche Ausmaße das bisweilen annimmt wissen nur Menschen mit Diabetes.

Diabetes Individualität

So unterschiedlich und individuell wie die Menschen mit Typ 1 Diabetes sind, so unterschiedlich können auch die Wege sein, wie sie ihren Diabetes behandeln. Im Grunde gibt es, neben diversen anderen Einflussfaktoren, 3 wesentliche Parameter mit denen man seinen Blutzuckerspiegel beeinflussen kann. Die zugeführte Insulinmenge, die Zusammensetzung und Menge der Nahrung sowie der Umfang an körperlicher Aktivität.
Im Laufe der Jahre mit Diabetes habe ich meinen eigenen Weg gefunden die Krankheit bestmöglich zu bändigen. Dabei habe ich gelernt, dass es mir gut tut die benötigte Insulinmenge im Rahmen des Möglichen zu begrenzen. Das kompensiere ich durch Bewegung und die Art und Weise wie ich mich ernähre. Die Reduktion von Kohlenhydraten spielt dabei eine große Rolle ebenso wie der zeitweilige bewusste Verzicht auf Nahrung. Ein Thema das bisweilen auch unter Menschen mit Typ 1 Diabetes kontrovers diskutiert wird weil moderne Therapiekonzepte einem viel mehr Freiheit geben können als es in früheren Zeiten noch der Fall war. Ob das wirklich immer vorteilhaft ist wage ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen anzuzweifeln.

Insbesondere Menschen mit Typ 1 Diabetes sagen oft, dass sie sich nicht einschränken möchten und den anflutenden Blutzucker mit Insulin “wegspritzen”, so wie es bei stoffwechselgesunden Menschen eben auch ganz natürlich geschieht.
Das mag bei vielen auch funktionieren. Bei mir funktioniert das so nicht. Zumindest nicht so, dass ich mit dem Resultat zufrieden wäre. Da mag eine gewisse Insulinresistenz eine Rolle spielen. Die oben angesprochene Individualität eben.
Das kann man so hinnehmen oder man sucht Wege sein Blutzuckermanagement zu optimieren.

Die Wirkung von Ernährung und Bewegung auf den Diabetes

Ich habe mich viel mit dem Thema Ernährung und ihrer Wirkung auf den Stoffwechsel beschäftigt und ich habe viel ausprobiert. Das Ergebnis war, dass selbst unter kontrollierter und disziplinierter kohlenhydratbetonter Ernährung sowohl das Blutzuckermanagement als auch die Gewichtskontrolle sehr problematisch waren. Umgekehrt wurde beides immer einfacher, je weniger Kohlenhydrate ich in meiner Nahrung hatte. Genauer gesagt, je niedriger ich meinen Insulinspiegel gehalten habe und vor allem je mehr ich die Zeiträume mit erhöhtem Insulinspiegel reduziert habe.

All das hat mich veranlasst meinen Kohlenhydratkonsum zu reduzieren und gelegentlich auch ketogene Stoffwechselphasen herbeizuführen. Ich sehe das alles aber nicht dogmatisch und wenn es die Situation ergibt lasse ich auch mal Fünfe gerade sein und erfreue mich einfach der schönen Situationen die einem das Leben so gelegentlich in den Laufweg hineinflankt;-). Genuß und Achtsamkeit spielen eine große Rolle in meinem Leben und in meiner Therapie. Der Diabetes hat dazu geführt, dass ich das bewusster erlebe, mehr auf mich achte und ich mir mehr Zeit für Dinge nehme, die gut für mich sind.

Bitte beachten :

In diesem Zusammenhang bitte folgenden Hinweis unbedingt beachten :
Die auf diesem Blog beschriebenen Therapieansätze sind meine ganz persönlichen Therapieansätze die ich größtenteils in Absprache mit meiner Diabetologin anwende. Diese können, müssen aber nicht zwangsläufig bei anderen Menschen mit Diabetes funktionieren.
Solltest Du diese Ansätze als mögliche Lösung für Deine eigene Therapie in Betracht ziehen, bitte ich Dich das vor Anwendung unbedingt mit Deinem Diabetologen abzusprechen.