Nimmt man mich nur noch als Diabetiker wahr ?

Angeregt durch folgenden Blogpost von Alana – Against the Hurricane –

Can’t get you out of my head

habe ich mir Gedanken zum Thema gemacht. Neben der Frage, ob der Diabetes inzwischen mich und mein Leben beherrscht, beschäftigt mich die Frage, ob mich meine Umwelt eventuell nur noch als Diabetiker wahrnimmt.

Zwangsläufig ist es so, dass der Diabetes permanent präsent ist und niemals aus dem Blickfeld verschwindet. Genauso wie ein Autofahrer ständig seinen Blick auf die Straße richten muss, müssen wir Diabetiker unseren Blick ständig auf den Diabetes richten. Leider gibt es bei uns keine vorgeschriebenen Lenkpausen, wir sind permanent auf Achse.
Dazu kommen dann noch die ganzen Randthemen neben dem BZ Management wie Ernährung, Termine für die regelmäßigen Checks, die Logistik für das ganze Diabetes Geraffel was man so benötigt, das „Gepäck“, das man immer mit sich schleppt – Diabetikers Wickeltasche sozusagen. Und und und …….
Manchmal geht mir das ziemlich auf den Geist und ich hab keinen Bock mehr darauf. Kann man nicht einfach Diabetes haben und gut? Muss denn jeden Abend der letzte Gedanke dem Blutzucker gewidmet sein und muss das Arschgesicht jeden Morgen schon da sein wenn man aufwacht ? Kann der nicht mal verpennen und man schleicht sich einfach mal für’n Tag davon ? Schön wär’s.

In der Familie ist Diabetes natürlich immer ein Thema. Hast du schon gespritzt ? Können wir jetzt essen ? Oder man ist mal wieder Diva weil der Diabetes sein Snickers nicht bekommen hat und stößt seine Lieben, die einem nix Böses wollen, vor den Kopf.

Für mich ist der Diabetes aber nicht nur eine Pflichtübung sondern auch ein Thema, das mich wirklich interessiert. Es interessiert mich, weil es mich betrifft, weil es einen ganz entscheidenden Einfluss auf mein Leben und das meiner Familie hat. Das führt natürlich dazu, dass man dem Diabetes noch mehr Zeit widmet als er sowieso schon benötigt.

Man liest im Internet, man recherchiert, man bloggt, man knüpft Kontakte, man tauscht sich aus und man interessiert sich für das, was andere machen. Jede Menge Aktivitäten, die natürlich nicht nur im Verborgenen stattfinden.
Da hat man plötzlich bei Facebook ein anderes Profilbild mit T1D „Stempel“, man liked oder kommentiert die Aktivitäten anderer Diabetiker, die sich immer zahlreicher in der Freundesliste versammeln, oder teilt deren Postings.
Dabei stellt sich mir immer öfter die Frage, wie mich meine Umwelt eigentlich wahrnimmt.
Komme ich aufgrund der Aktivitäten nur noch als Diabetiker rüber ? Geht man den Nichtdiabetikern damit auf den Keks ?
Mutet man nicht nur sich, wie Alana schreibt, zu viel Beschäftigung mit dem Thema zu, sondern mutet man auch seinem Umfeld zu viel Diabetes zu ? Einem Umfeld, das mangels eigenem Bezug gar nicht so viel mit dem Thema in Berührung kommen möchte, weil man sich damit nicht belasten möchte oder schlichtweg kein Interesse daran hat ?

Wie ist eure Meinung dazu ? Ich freue mich über jedes Feedback.
Bis dann

2 Kommentare

  1. Toller Beitrag und eine gute Frage, die ich mir auch schon gestellt habe. Ich denke, das hängt ganz vom Umfeld ab. Ich vertrete da allerdings den Standpunkt: Wens stört, der soll was sagen, mich bei facebook aufgrund des blau gestempelten Profilbildes löschen oder oder… Ich habe nunmal Diabetes. Daran kann ich nichts ändern. Und je mehr ich persönlich mein Umfeld mit einbeziehe, desto mehr akzeptiere ich diese Tatsache und beschäftige mich damit…
    Schönes Wochenende
    Sarah 🙂

    • Hi Sarah,
      danke für deinen Kommentar. Das sehe ich im Grunde genauso. Manchmal ist es aber schwer sich selbst einzuschätzen. Kommt man für andere nicht so rüber wie die sprichwörtlichen Senioren, die im Wartezimmer immer ihre ganzen Krankheiten aufzählen ?
      Wahrscheinlich liegt die Lösung darin, seine anderen Interessen und die Dinge die einen ausmachen in gleichem Maße zu teilen. Das kommt bei mir definitiv noch zu kurz, obwohl der Name meines Blogs eigentlich genau dafür stehen soll.
      Dir auch ein schönes Wochenende.
      Stefan

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