Noch ein Geburtstag – 1 Jahr mit dem Dexcom G4

Momentan jagt ein Jahrestag den nächsten. Meinen Pumpenjahrestag hab ich da schon ganz außen vor gelassen.
Dieser Tage trage ich meinen Dexcom G4 schon seit einem Jahr. Grund genug mal ein paar Worte darüber zu verlieren. Man nimmt es manchmal schon als selbstverständlich hin, dass man mit so tollen Dingen wie Insulinpumpen, FGM und CGM Geräten ausgestattet ist. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass ich von solchen Hilfsmitteln nur geträumt habe.

Dass ich einmal eine Insulinpumpe tragen würde, war gar nicht so unwahrscheinlich, wenn auch der Genehmigung ein gewisser Aufwand vorausgegangen ist. Beim CGM war das anders, schließlich war eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse nicht zu erwarten und die Kosten sind für einen Selbstzahler eine ganz schöne Hausnummer.

Soll man es nun glückliche Fügung nennen ? Wohl eher nicht. Ich nenne es logische Konsequenz.
Ich hatte im Frühjahr und Sommer 2014 zwei heftige Hypos, die mich komplett überrascht und per Notarztwagen ins Krankenhaus befördert haben. Beide Vorfälle ereigneten sich aber glücklicherweise in Situationen, in denen man schon mal umfallen kann ohne dass man allzu großen Schaden anrichtet, wenn ich es mal so salopp formulieren darf. Es hätte ja auch beim Autofahren passieren können.
Also war die Entscheidung in der Familie schnell getroffen und ein CGM System als wertvoll erachtet worden. Andere Menschen geben ihr Geld für Zigaretten oder fette Alufelgen aus, ich gebe es lieber für ein sinnvolles Hilfsmittel aus.

Nachdem in den Beschaffungsprozess des Dexcom dann noch das Freestyle Libre in Form einer Vorabtestmöglichkeit platzte, sich aber nach etlichen Wochen mit dem Libre herausstellte, dass ich eine Allergie dagegen entwickelt habe, konnte ich Mitte Februar 2015 mein Dexcom in Empfang genommen.

Dexcom
Seit dem sind mein Dexcom und ich ziemlich beste Freunde und mein ziemlich bester Freund hat mich schon in einigen Situationen vor Unannehmlichkeiten bewahrt.
Er hat auch dafür gesorgt, dass ich Einblicke in meine Therapie bekommen habe, die ich ohne CGM nicht in dieser Form bekommen hätte.

Zum Beispiel :
Nur mal so zum Vergleich
Bolus ist nicht gleich Bolus
Bolus ist nicht gleich Bolus (2)
Bolus ist nicht gleich Bolus (3)

Hier mal ein paar Zahlen :
Anzahl der Sensoren in 359 Tagen = 19
Durchschnittliche Tragedauer = 19 Tage
kürzeste Tragedauer = 11 Tage
längste Tragedauer = 28 Tage
Akkulaufzeit des Empfängers ca. 3-5 Tage (je nach Nutzung)
Die Senderbatterie des ersten Senders ist immer noch ok.
Tragestellen waren :
1x am Bauch (wie von Dexcom empfohlen)
6x am hinteren Oberarm
12x an der Taille seitlich hinten (also am Rettungsring auf 4 bzw. 8 Uhr)

Am Bauch war der Sensor beim Rudern eher hinderlich, zumindest wenn man wie ich etwas Schwungmasse hat 😉
Am hinteren Oberarm war es auch ok, hier ist aber das Kinesiotape, das ich zur zusätzlichen Sicherung des Sensors aufklebe, deutlich schneller am Ende gewesen, als an meiner Lieblingssetzstelle an der Taille.

Etwas störend empfinde ich die Tatsache, dass der Sender nicht besonders mit einem Wasserbett harmoniert. D.h., wenn ich in unserem Wasserbett auf dem Sensor liege, ist die Dämpfung des Sendesignals zu hoch, als dass der 50cm entfernt liegende Empfänger noch zuverlässig ein Signal empfangen würde.
Böse Menschen behaupten, dass meine Dämpfung zu hoch wäre, aber das kann ja gar nicht sein 😉
Auf jeden Fall wird meine Schlafhaltung im Wasserbett von der Setzstelle meines Dexcom Sensors beeinflusst, wenn ich vermeiden möchte, dass ich des Nachts wegen eines Verbindungsalarms aus dem Schlaf gerissen werde.

Schade finde ich, dass im Falle einer unterbrochenen Verbindung die Daten, die in dieser Zeit anfallen, verloren sind. Das passiert mir auch gelegentlich, wenn ich in den Keller laufe und den Empfänger oben liegen lasse in der Erwartung sofort zurück zu kommen. Manchmal lasse ich mich aber von diversem Hobbyequipment im Keller ablenken und meine Dolce Vita Mädels tragen mir dann den Empfänger hinterher, weil er anfängt zu quaken.
Das Freestyle Libre hat für diese Daten einen Pufferspeicher von 8h, so dass sie beim erneuten Auslesen übertragen werden.

Mit den Informationen, die aus den ganzen „Blutzuckerwerten“ hervorgehen, muss man erst mal umgehen lernen. Vor allem sollte man sich nicht verrückt machen lassen, wenn Werte mal anders verlaufen als erwartet. Was ich meine ist, dass man sich nicht zu früh zu Korrekturen hinreißen lassen sollte. Im Laufe der Zeit entwickelt man aber schon ein Händchen dafür, wann tatsächlich mal früher korrigiert werden kann.
Man entwickelt mit der Zeit sozusagen eine besondere Mischung aus Analytik und Intuition in Bezug auf sein Blutzuckermanagement.

Alles in allem ist so ein CGMS eine tolle Geschichte, auf die ich nur sehr ungern wieder verzichten würde und von der ich hoffe, dass sie für viel mehr Diabetiker zugänglich wird. Auch für diejenigen, die nicht in der glücklichen Lage sind, es selbst bezahlen zu können.
Ein erster Ansatz ist mit dem Libre gemacht worden. Das Thema Kostenübernahme durch die Kassen dümpelt indes nach wie vor einfach so dahin und harrt einer endgültigen Entscheidung.
Etwas kritisch sehe ich auch die Entwicklung bei Dexcom. Lobenswert dass das G5 auch mit einem Smartphone kommuniziert. Dass dafür aber alle 3 Monate ein neuer Sender fällig ist, der noch nicht mal länger laufen kann, selbst wenn die Batterie es hergeben würde, ist aus meiner Sicht ein Schritt in die absolut falsche Richtung.
Welcher Selbstzahler soll denn das noch bezahlen können, wenn die Sender nun ebenso viel kosten wie die Sensoren, die ja schon nicht unbedingt preiswert sind? Durch die Mehrkosten wird die Bereitschaft der Kassen zur Kostenübernahme sicher auch nicht gesteigert.

Sind wir heute nicht weiter mit der Technik, dass man die Batterien in den Sendern tauschen könnte? Wie bei praktisch jeder Armbanduhr. Bei jedem Tchibowecker geht das, Leute. Verkauft uns doch nicht so was. Vor allem verkauft uns nicht für dumm. Setzt nicht darauf, dass der Leidensdruck schon groß genug sein wird um ausreichend Bedarf zu erzeugen. Beeindruckt uns lieber mit cleveren Systemen.
Dazu kommt, dass die Systemintegration von CGMS und Insulinpumpen sich eher rückwärts entwickelt. War das Dexcom G4 bisher immerhin mit der Animas Vibe kompatibel, so hat sich das beim G5 erledigt. Momentan sehe ich ein integriertes System nur bei Medtronic.

Ich glaube hier sind wir noch weit entfernt von einer optimalen Lösung und momentan habe ich meine Zweifel ob überhaupt jemand außer uns Diabetikern ein Interesse daran hat, dass es diese optimale Lösung jemals geben wird.

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Bis dann
Stefan

Kleiner Nachtrag am 24.3.2016 :
Der erste Sender hat am 21.3.2016, 2 Tage nach der ersten Warnmeldung vor geringer Batteriespannung, das zeitliche gesegnet, oder besser gesagt, die Batterie war leer. Das heißt ziemlich exakt 13 Monate Laufzeit. Im Grunde genommen erfreulich, dass er doppelt so lange gehalten hat, wie von Dexcom garantiert. Aber dennoch schmerzhaft, 399 Euronen für einen neuen Sender zu berappen weil die Batterien leer waren.

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