Was ist denn da los ?

oder

Hilfe, mein Aufstehphänomen steht Kopf.

Ilka fragt sich in ihrem Blogpost „Bin ich ein schlechter Diabetiker„, ob sie ein schlechter Diabetiker sei. Ich stelle ich mir manchmal die Frage, was ich überhaupt für ein Diabetiker bin. Dass die Diabetes-Zicke nicht immer so tickt, wie die Verfasser der einschlägigen Lehrbücher das beschreiben, wissen wir alle und das erleben wir auch immer wieder.

Spricht man sein Expertenteam darauf an, wird natürlich in aller Regel erst mal das 1×1 des Diabetikers überprüft. Aber das haben wir meistens schon selbst getan. Ok, manchmal ist man etwas betriebsblind und es ist schon hilfreich, wenn ein außenstehender Experte mal einen Blick auf unser Therapiemanagement wirft. Aber immer wieder gibt es halt Dinge, die sich nicht so ohne weiteres erklären lassen.

So habe ich den Eindruck, dass meine Diabetes-Zicke nicht so sein möchte wie die anderen.
Ganz besonders trifft das auf mein Aufstehphänomen zu. Manche Diabetiker müssen sich morgens vor dem Aufstehen einen sogenannten Morgengupf geben, weil der Körper beim Aufstehen gewisse Kompensationsvorgänge einleitet um z.B. den Blutkreislauf zu stabilisieren, sobald man aus der horizontalen Ruheposition in die vertikale Hallo-Wach-Position wechselt. Dadurch steigt bei manchen der Blutzuckerspiegel an, was man deshalb auch Aufstehphänomen nennt.

Steffi hat das mal in einem Post beschrieben – Der Extra Schuss Insulin zur Kreislaufanpassung – und Ilka übrigens auch – Morgengupf gegen Hormonchaos .
Bei anderen Diabetikern tritt dieses Phänomen wiederum nicht auf.

Ich gehöre zu den Diabetikern, die mit dem Aufstehphänomen zu tun haben. Aber ihr könnt es euch sicher denken, dass sich meine D-Zicke wieder mal nach dem Motto „ich bin dafür, dass wir dagegen sind“ verhält. Mein Aufstehphänomen ist nämlich auf den Kopf gestellt.
Meine D-Zicke möchte morgens kein Insulin, die möchte Gummibärchen. Mein BZ rauscht morgens nach dem Aufstehen nach unten.
Meistens komme ich „hoch“ genug aus der Nacht, damit ich das Ganze dann nach dem Duschen mit dem normalen Frühstück kompensieren kann. Aber manchmal kommt man auch mal einen Tick niedriger aus der Nacht, was für sich alleine noch kein Problem ist. Das wird es aber, wenn dann mein Aufstehphänomen zuschlägt. Dann kann man schnell mal in kritische Bereiche abrutschen, wenn man nicht schnell genug gegensteuert.

 

CGM Kurve
Beispielhaft habe ich hier einmal die BZ Kurven der letzten 4 Tage dargestellt. Man sieht das Phänomen beginnt am Morgen kurz vor 5 Uhr, der Zeitpunkt an dem ich unter der Woche aus meinem Wasserbettchen heraus gluckere.

Am deutlichsten sieht man es an der lilafarbenen Kurve, was auch nicht verwundert, ist sie doch über Nacht bereits stärker fallend. Hier spielt wahrscheinlich eine Laufeinheit am Vorabend eine Rolle. Ohne Gegenmaßnahme ist mir der BZ bis zum Frühstück bis auf 50 mg/dL abgesackt. Aber die Korrektur ist mir doch recht elegant gelungen, wie ich finde.
Aber auch bei allen anderen Kurven ist die Beule deutlich sichtbar. Allerdings ist die Auswirkung des Phänomens aufgrund etwas ausgeglichenerer Nachtverläufe und günstigerer Ausgangslage wesentlich unkritischer. Am Wochenende, wenn ich morgens länger im Bett liege, bleibt das Phänomen aus bzw. verschiebt sich mit dem Aufstehzeitpunkt, schwächt sich aber deutlich ab, wenn ich später aufstehe.

Den leichten tendenziellen Anstieg zwischen 0 und 3 Uhr könnte man etwas glätten, indem man die Basalrate von 0-2 Uhr etwas anhebt und nach 2 Uhr etwas senkt. Aber das sind kleine Dinge, die in der nächsten Woche schon wieder leicht anders sein können und deshalb ist es unnötig jede kleine Welle in der Kurve ausgleichen zu wollen.

Es bleibt dabei, meine D-Zicke ist ne echte Zicke. Aber was soll’s. Wenn meine Zicke sich nicht an die Theorie hält, bringt es ja nichts das zu ignorieren. Auf jeden Fall läuft die Therapie recht gut, bis auf die zickigen Momente, die es immer wieder mal gibt.

Gibt es unter euch eigentlich jemanden mit einem „invertiertem“ Aufstehphänomen ?

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